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Rückenschmerzen bei Kindern vorbeugen

Vormittags in der Schule sitzen und nachmittags vor dem Computer: Das schafft kein Kinderrücken unbeschadet. Er braucht für seine gesunde Entwicklung jeden Tag aktive Bewegung. Daran erinnert die Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU) anlässlich des Tages der Rückengesundheit am 15. März 2019.

„Kinder sollten nach der Schule oder der Kita den Bewegungsmangel aufholen. Auch wenn es altmodisch klingt, aber sie müssen raus an die Luft und sich austoben, Fußball spielen oder Fahrrad fahren, um ihre Muskulatur zu stärken. Wer zu viel sitzt, bekommt Rückenschmerzen“, sagt Professor Dr. Bernd Kladny, DGOU-Generalsekretär und Chefarzt der Abteilung Orthopädie und Unfallchirurgie, m&i-Fachklinik Herzogenaurach. Die DGOU gibt Tipps, wie sich der Sitzkreislauf durchbrechen lässt.

Im alltäglichen Leben von Kindern und Jugendlichen spielt die körperliche Aktivität eine immer geringere Rolle. Nur eine Minderheit der Heranwachsenden ist fast jeden Tag mindestens eine Stunde körperlich aktiv und erfüllt damit die aktuelle Empfehlung zum Bewegungsverhalten von Kindern und Jugendlichen (1). So verbringen Kinder auch nach der Schule oder der Kita viele Stunden in sitzender Haltung. Sie erholen sich in der Freizeit am Smartphone, lesen, spielen sitzend oder sehen fern. Für eine gesunde Entwicklung ist es jedoch erforderlich, Bewegung zurück in den Alltag zu holen. So könnten Schüler zur Schule laufen, anstatt sich mit dem Auto fahren zu lassen. Anstelle von Computerspielen und Filmen könnten Bewegungsspiele wie Fangen, Ballspiele oder Verstecken wiederentdeckt werden. Oder es werden Roller, Inline-Skater oder Rollschuhe in Stellung gebracht.

Rückenschmerzen sind nicht nur bei Erwachsenen weit verbreitet, sondern haben auch bei Kindern stark zugenommen. In der europaweit größten Kinderstudie KiGGS des Robert Koch-Instituts gaben mehr als drei Viertel der 11- bis 17-Jährigen an, in den letzten drei Monaten Schmerzen gehabt zu haben. Fast die Hälfte davon klagte dabei über Rückenschmerzen.

Als häufigste Ursache für die enorme Zunahme vermuten Ärzte zu wenig Bewegung. „Denn ohne ausreichend Bewegung werden die für die Haltung so wichtigen kindlichen Muskeln zu schwach ausgebildet. Das begünstigt Fehlstellungen der Wirbelsäule. Es kann zur Verkümmerung der Muskulatur kommen, sodass die stützende und koordinierende Funktion der Muskeln auf die Körperhaltung unzureichend ist“, erklärt Professor Robert Rödl, 1. Vorsitzender der DGOU-Sektion „Vereinigung für Kinderorthopädie“ und Chefarzt der Abteilung für Kinderorthopädie, Deformitätenrekonstruktion und Fußchirurgie am Universitätsklinikum Münster. Außerdem kann es zur Schwächung des Knochensystems und dadurch zu einer geringeren Belastbarkeit kommen. „Wenn Kinder Sport und Bewegung nicht selbstverständlich in ihre täglich Freizeit einbauen, sind Verspannungen der Rückenmuskulatur, Haltungsschäden und damit Rückenschmerzen im Erwachsenenalter vorprogrammiert“, so Kladny.

So lässt sich der Sitzkreislauf durchbrechen: • Kinder und Jugendliche sollten täglich mindestens eine Stunde körperlich aktiv sein.
• Eltern sollten mit gutem Beispiel vorangehen und sich zusammen mit ihrem Kind in der Freizeit bewegen. So kann bei kurzen Wegen das Auto auch einmal stehen bleiben.
• Der tägliche Weg zu Schule oder zur Kita sollte nach Möglichkeit mit dem Fahrrad oder zu Fuß zurückgelegt werden.
• Die Nutzungszeiten von Fernseher, Computer oder Smartphone sollten begrenzt und gemeinsam festgelegt werden.
• Experten empfehlen, einen fernsehfreien Tag in der Woche oder ab und zu ein fernsehfreies Wochenende einzulegen.
• Kinder und Jugendliche sollten täglich Freizeit im Freien mit Bewegungsspielen verbringen können.

Referenzen:
(1) Studie Active Healthy Kids Global Alliance 2018
(2) KiGGS – Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland, Robert Koch-Institut mit 17.641 Kindern und Jugendlichen

Ergonomischer Büroarbeitsplatz entlastet Rücken, Nacken und Augen

Drei Viertel aller Berufstätigen leiden nach Angaben der DAK-Krankenkasse unter Rückenschmerzen. Dauersitzen und Bewegungsmangel belasten das Kreuz enorm. „Die Beratung zur ergonomischen Gestaltung des Büroarbeitsplatzes gehört genauso zur betriebsärztlichen Betreuung wie die Empfehlung zu Bewegung im Arbeitsalltag“, sagt Arbeitsmedizinerin Dr. Wiete Schramm zum Tag der Rückengesundheit am 15. März. Die Expertin von TÜV Rheinland berät zahlreiche Unternehmen und Organisationen in Gesundheitsfragen. Den rund 21 Millionen Deutschen, die ihren Arbeitstag im Büro verbringen, helfen ergonomisch gestaltete Schreibtische und Stühle, Gesundheitsrisiken entgegenzuwirken. „Dynamisches Sitzen ist eine gute Präventionsmaßnahme. Gleiches gilt für einen Wechsel zwischen Stehen und Sitzen, beispielsweise durch höhenverstellbare Schreibtische, die mit einem Handgriff zum Stehtisch umfunktioniert werden können“, erklärt Schramm.

Stundenlanges, starres Sitzen vermeiden

Büroangestellte, die im Laufe eines achtstündigen Bürotages häufig aufstehen, verhalten sich gesünder als diejenigen, die nur sitzen. „Mein Tipp: Möglichst viel Bewegung in den Arbeitstag einbauen. Treppensteigen statt Aufzug fahren, ein Spaziergang in der Mittagspause, das persönliche Gespräch mit dem Kollegen suchen statt anzurufen und kleine Bewegungsübungen am Schreibtisch“, rät Schramm. Eine ausschließliche Nutzung von Laptops ist ergonomisch betrachtet nicht ideal. Längeres Arbeiten mit dem Notebook erfordert eine Zusatztastatur sowie Maus und Monitor.

Richtiges Licht schützt die Augen

Auch die Beleuchtung ist Teil der Büroergonomie. Schlechte Beleuchtung kann zu visuellen Überbeanspruchungen führen, die sich durch Kopfschmerzen, tränende und brennende Augen, Flimmern vor den Augen oder auch Schlafstörungen bemerkbar machen. Direktblendung durch Tageslicht oder Leuchten sowie Reflexblendung durch Spiegelungen auf glänzenden Flächen sollten so weit wie möglich vermieden werden. Bestandteil der betriebsärztlichen Betreuung ist auch die arbeitsmedizinische Vorsorge, die der Arbeitgeber dem Beschäftigten schriftlich anbieten muss. Diese beinhaltet nicht nur eine sorgfältige Prüfung der Augen und des Sehvermögens, sondern gibt Beschäftigten auch die Gelegenheit einer Beratung zu Ergonomie und Bewegungsverhalten. Ziel ist es, gesundheitliche Probleme zu verhindern, vorhandene Beschwerden zu lindern oder einer Verschlimmerung vorzubeugen.

14.03.2019 DGA | Quelle: TÜV Rheinland

Neue Beschichtung verhindert aseptische Entzündungen bei Hüftimplantaten

Der Einsatz von Hüftprothesen ist in den vergangenen zehn Jahren innerhalb der Europäischen Union stark gestiegen – vor allem in Österreich und Deutschland mit 300 Implantaten pro 100 000 Einwohner. Die Häufigkeit aseptischer Entzündungsprozesse zwischen Knochen und Implantat, verbunden mit einer Lockerung der Prothese, hat sich erhöht – eine verkürzte Lebensdauer des Hüftgelenks ist die Folge. Ein Konsortium von elf Forschungs- und Industriepartnern hat sich unter der Leitung des Fraunhofer-Instituts für Produktionstechnologie IPT aus Aachen nun zusammengeschlossen, um eine neue Generation von Endoprothesen zur Behandlung aseptischer Lockerungserkrankungen zu entwickeln.

Das EVPRO-Projekt startete im Januar 2019 und wird von der Europäischen Union im Programm Horizon 2020 mit insgesamt 5,8 Millionen Euro gefördert. Ziel des Forschungsprojekts EVPRO ist es, der verkürzten Lebensdauer von Hüftrevisionsprothesen entgegenzuwirken und das Entzündungsrisiko zu reduzieren. Die elf Projektpartner aus vier Ländern wollen so die Mobilität älterer Menschen und damit ihre Lebensqualität und ihr Wohlbefinden verbessern, indem sie Komplikationen im Zusammenhang mit implantierten Gelenkprothesen verringern und die Anzahl nachfolgender medizinischer Behandlungen reduzieren. Die Partner erwarten, dass die Ergebnisse von EVPRO zu einer deutlichen Abnahme aseptischer Lockerungen beim Gelenkersatz führen werden.

Biologisch aktive Beschichtung lässt Implantate besser einwachsen

Die Forscher entwickeln im Projekt EVPRO innovative biologisch aktive Beschichtungen für die Hüftrevisionsendprothese, die in der Lage sind, Entzündungen an der Oberfläche der Endoprothese zu kontrollieren und die Knochenregeneration zu fördern. Die EVPRO-Beschichtung kombiniert ein neues bioaktives, adaptives, nano-funktionalisiertes, abbaubares Biomaterial mit extrazellulären Vesikeln, das in eine beständige knocheninstruktive, mikro- und nanoporöse TiO2-Oberfläche integriert ist. Diese Beschichtungen werden an der Schnittstelle zwischen Implantat und entzündetem Gewebe eingebracht, um Entzündungen wahrzunehmen und selbstregulierend zu modulieren. Darüber hinaus können knochenbildende Zellen, sogenannte Osteoblasten, in die Beschichtung migrieren und einwachsen und so die Verbindung des Implantats mit dem Knochen stärken. Dies verbessert nicht nur die Heilung, sondern verlängert auch die Gesamtlebensdauer des Implantats.

Langfristig erwarten die Forscher, dass die Zahl der Operationen zum Ersatz abgenutzter Implantate abnimmt und sich dies direkt positiv auf die Dauer der erforderlichen Krankenhausaufenthalte und die Verschreibungen teurer Medikamente auswirkt. Die Ergebnisse des Forschungsprojekts EVPRO entsprechen auf diese Weise den gesellschaftlichen Zielen der Europäischen Union, hunderttausenden von EU-Bürgern ein aktives Altern bei gleichzeitig hoher Lebensqualität zu ermöglichen.

Dr. Jochen Salber von der Chirurgischen Klinik des UMC Knappschaftskrankenhauses Bochum; Klinikum der Ruhr-Universität Deutschland sagt: »Auch wenn die EVPRO-Technologie sich noch in einem frühen Stadium befindet, birgt sie heute schon das Potenzial die Medinzintechnik in der Implantologie zu revolutionieren, denn sie kann die Therapie von Patienten mit aseptischer Lockerung der Endoprothese deutlich verbessern. Darüber hinaus könnten auch andere klinische Bereiche mit hohen Entzündungsraten von den Projektergebnissen stark profitieren.«

Entwicklung marktreifer Medizinprodukte

Gemeinsam mit dem Konsortium aus europäischen Universitäten und Partnern der Medizinprodukte- und Biotechnologieindustrie arbeitet das Fraunhofer IPT nun daran, ein marktreifes Produktportfolio für die neue Generation von Hüftrevisionsendprothesen aufzubauen.

In Kooperation mit den Unternehmen, die die neu entwickelte EVPRO-Technologie direkt nutzen können, arbeiten die Projektpartner bereits an passenden Vertriebskonzepten. Das Forschungsprojekt berücksichtigt dabei alle Prozessschritte zur Herstellung von Implantaten und bezieht auch präklinische Studien und spätere Endanwender ein. Sobald die EVPRO-Implantate marktreif sind, wollen die Partner den Transfer der Beschichtungstechnologie von Hüftimplantaten auch auf primäre und sekundäre Knieimplantate prüfen, die ein Marktpotenzial von mehr als 3,2 Millionen Euro in der EU und den USA pro Jahr aufweisen. Später könnten auch weitere Gelenkersatzteile wie Schulter-, Knöchel- oder Ellbogenersatz direkt von der EVPRO-Technologie profitieren.

Darüber hinaus bieten weitere klinische Bereiche mit hohen Entzündungsraten vielversprechende Chancen für die weitere Nutzung der EVPRO-Technologie, beispielsweise beim Einsatz von Produkten wie Marknägeln oder Zahnimplantaten, Verbindungselementen wie Schrauben oder Nägeln sowie Wundauflagen für chronische Wunden oder schwere Verbrennungen.

Partner im EVPRO-Konsortium:

- Universitätsklinikum Essen, Essen, Deutschland, (Bernd Giebel, Verena Börger, Stefan Landgräber)
- Lonza Netherlands B.V., Maastricht, Niederlande, (Bart van Dijk, Birgit Nelsen-Salz)
- Dublin City University, Dublin, Irland, (Damien King, Paul Cahill)
- Trinity College Dublin, Dublin, Irland, (Lorraine O´Discroll)
- Leibniz-Institut für interaktive Materialien, Aachen, Deutschland, (Barbara Dittrich, Cesar Rodriguez-Emmenegger)
- Universität Maastricht, Maastricht, Niederlande, (Daniel Molin, Nynke van den Akker)
- Meotec GmbH & Co. KG, Aachen, Deutschland, (Christoph Ptock)
- Stryker B.V., Amsterdam, Niederlande, (Eric Garling)
- Polytechnikum Turin, Turin, Italien, (Gianluca Ciardelli, Valeria Chiono)
- Knappschaftskrankenhaus Bochum, Bochum, Deutschland, (Jochen Salber, Siegfried Shah)

EVPRO erhält Förderung aus dem Forschungs- und Innovationsprogramm der Europäischen Union Horizon 2020 im Rahmen der Fördervereinbarung Nr. 814495. Die hier präsentierten Materialien und Ansichten liegen ausschließlich in der Verantwortung der Autoren. Die EU-Kommission übernimmt keine Verantwortung für die Verwendung der dargestellten Informationen.


Bildunterschrift: Beispiel für ein Hüftgelenkspfannenimplantat (Accolade II)

Moderater Sport ist ähnlich wirksam wie ein Blutdrucksenker

In Deutschland haben 20 bis 30 Millionen Menschen einen zu hohen Blutdruck [1] und müssen z. T. mehrere Medikamente einnehmen. Dabei ist seit langem wissenschaftlich belegt, dass auch körperliche Aktivität sowohl präventiv als auch bei der Behandlung einer arteriellen Hypertonie messbare Effekte hat [2]. Eine aktuell im British Journal of Sports Medicine veröffentlichte Metaanalyse bestätigt einen mit der Wirkung von Antihypertensiva vergleichbar günstigen Einfluss von regelmäßigem Sport auf den Blutdruck [3].

Häufigster Grund für Bluthochdruck ist ein ungesunder Lebensstil, insbesondere zu wenig Bewegung und in Folge davon Übergewicht. Kaum mehr als 10 % der Menschen in der zweiten Lebenshälfte bewegen sich ausreichend – die Folgen sind bekannt: Fettleibigkeit (Adipositas), zu hohe Blutzucker- und Blutfettwerte, Hypertonie.

Mehr sportliche Aktivität, die Kontrolle des Körpergewichtes sowie gesunde Ernährung in jedem Alter könnten die Risiken deutlich senken, so dass erst gar kein Übergewicht und/oder Bluthochdruck entsteht. Aber auch Hypertoniker, die medikamentös behandelt werden müssen (≥ 140/90 mmHg), können von körperlicher Aktivität profitieren, wie eine 2015 publizierte Studie bestätigte: Zwei bis dreimal pro Woche 30 bis 45 Minuten Sport mit moderater Intensität kann mittel- und langfristig den Blutdruck senken [4] und so vielleicht ein antihypertensives Medikament überflüssig machen – die meisten Patienten benötigen eine Kombination aus zwei oder drei Medikamenten, um den Blutdruck in den Zielbereich abzusenken. Wer Sport macht, könnte demzufolge mit einem (oder zwei) auskommen.
Außerdem werden durch regelmäßiges moderates Training weitere Risikofaktoren positiv beeinflusst. Als positive „Nebenwirkung“ werden ein besseres Körpergefühl, psychisches Wohlbefinden und eine insgesamt bessere Lebensqualität erreicht. Zudem könnte auch das Medikamenten-Nebenwirkungsrisiko reduziert und Therapie-Kosten gespart werden.

Metaanalyse bestätigt die blutdrucksenkende Wirkung von Sport Dass strukturierte Trainingsprogramme in der Lage sind, den Blutdruck zu senken, zeigt jetzt auch die aktuelle Metaanalyse [3] von H. Naci et al. am Stanford Prevention Center, Stanford University School of Medicine, Kalifornien, USA. Eingeschlossen waren 391 randomisierte kontrollierte Studien, von denen 197 Bewegungsinterventionen und 194 verschiedene Antihypertensiva bewerteten. Keine der Studien verglich Bewegungsintervention direkt mit Medikamenten. Im Ergebnis zeigte sich aber, dass schon ausschließlich mit strukturierten Übungsplänen (alle Arten von Bewegung, einschließlich Kombination von Ausdauer und Krafttraining) eine konsistente Blutdrucksenkung erreicht werden kann. Diese sei zwar insgesamt schwächer als bei Patienten, die Medikamente erhielten, jedoch bei Patienten mit systolischem Blutdruck über 140 mmHg war der blutdrucksenkende Effekt des Sports vergleichbar mit der Wirkung von üblicherweise verordneten blutdrucksenkenden Präparaten.

Schwierigste Herausforderung: Am Ball bleiben Wie frühere Studien zu Sport und Blutdrucksenkung bereits zeigten, ist die Stärke des Effekts von Bewegung auch davon abhängig, wie intensiv und wie regelmäßig trainiert wird. Zudem brauchen die Patienten Geduld, denn es dauert eine gewisse Zeit, ehe ggf. ein Medikament weggelassen werden kann. „Art und Intensität der körperlichen Aktivität müssen zudem an individuelle Voraussetzungen wie Blutdruckwerte und kardiale Leistungsfähigkeit angepasst werden und sollten, wie auch das Absetzen von Medikamenten, immer mit dem behandelnden Arzt besprochen werden“, erklärt Prof. Dr. med. Burkhard Weisser, Direktor des Instituts für Sportwissenschaft an der Universität Kiel und Mitglied des Vorstands der Deutschen Hochdruckliga e.V. DHL® | Deutschen Gesellschaft für Hypertonie und Prävention. Empfohlen werden bei Bluthochdruck z. B. moderates dynamisches Training in Form von Jogging, Radfahren, Walking, Schwimmen oder Skilanglauf für mindestens 30 Minuten an fünf bis sieben Tagen pro Woche über einen längeren Zeitraum, um eine Blutdrucksenkung zu erreichen. Auch kann nach neueren Erkenntnissen ein Muskelkrafttraining positive Effekte auf den Blutdruck haben, allerdings nicht so stark wie Ausdauersport [2]. Bewegung durch Spazierengehen oder moderates Walking ist in jedem Falle nützlich und für alle Menschen, auch für jene mit sehr hohem Blutdruck, geeignet. Genauere Informationen bietet der „Patientenleitfaden Bluthochdruck“ der Deutschen Hochdruckliga, der unter https://www.hochdruckliga.de/tl_files/content/dhl/downloads/Patientenleitfaden-2017.pdf abrufbar ist.

Schwierigste Herausforderung ist, dass es einer dauerhaften Motivation der Patienten bedarf, lebenslang „am Ball“ zu bleiben – bei der gesunden Ernährung, bei den Bestrebungen nach einer Gewichtsreduktion, und vor allem in Bezug auf die regelmäßige Bewegung.

Literatur [1] Epidemiologisches Bulletin 5/2015, Robert-Koch-Institut, Berlin
[2] Alfred Rütten & Klaus Pfeifer (Hrsg.) Nationale Empfehlungen für Bewegung und Bewegungsförderung. 2016. https://www.sport.fau.de/files/2016/05/Nationale-Empfehlungen-f%C3%BCr-Bewegung-...
[3] Naci H, Salcher-Konrad M, Dias S, et al. How does exercise treatment compare with antihypertensive medications? A network meta-analysis of 391 randomised controlled trials assessing exercise and medication effects on systolic blood pressure. Br J Sports Med. 2018, 18. Dezember. doi:10.1136/bjsports-2018-099921 [Epub vor Druck]
[4] Ketelhut R G : Sport bei Hypertonie. Geringe Kosten, hohe Effektivität, keine Nebenwirkungen, Diabetologe 2015, 11:394–399.



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